Es ist kurz nach den Sommerferien, alle sind noch bestens erholt, da steckt man drei Leistungskurse (Geschichte, Politik, Kunst) um 6 Uhr für 12 Stunden in einen Zug und fährt nach Budapest.
Nachdem wir unsere anfängliche Müdigkeit verloren hatten, wurden im ICE (ab Hannover) schon die ersten Bierdosen geöffnet und Sektflaschen entkorkt. Aber da saßen wir ja wenigstens noch im Raucherteil des Großraumwagens. In Nürnberg umgestiegen mussten wir angestrengt nach Raucherabteilen suchen, da die Lehrer (!ganz wichtig!) nur Nichtraucherplätze gebucht hatten. Kaum hatten sich alle eingerichtet, regte sich auch schon eine Oma über uns, die entsetzliche, absolut unmögliche heutige Jugend auf. Ja, ja, wir sind ja alle so schlimm...Hätte sie das kreative Chaos gesehen, dass in manchen Abteilen hinterlassen wurde, hätte sie wahrscheinlich einen Herzinfarkt bekommen.
Als sie nimmerendende Fahrt doch endlich ein Ende fand und wir in Budapest ankamen, wurden wir von einer extrem munteren Reiseleiterin ins Hotel begleitet. Was auch immer sie für einen Eindruck von uns gehabt haben mag, jedenfalls bat sie uns jeden Tag auf’s Neue, auf sie und „unsere Werte“ aufzupassen. Egal, dazu später mehr.
Im Hotel angekommen, wir sehnten uns nach Ruhe, einer Dusche und vernünftigem Essen, brach erstmal das große Chaos über uns herein - zumindest was die Zimmerverteilung betraf. Da sollten wir doch auf einmal 4 - Bett - statt 3 - Bett - Zimmer bekommen. Wer da wohl wieder falsch gebucht hatte...Nach „stundenlanger“ Problembewältigung strebten fast alle Kursteilnehmer in das nahegelegene Lokal, um unseren HUNGER zu stillen. Den Abend selbst war nicht mehr viel los, und in der weisen Voraussicht auf den nächsten Tag und somit die Stadtführung, verschwanden viele verhältnismäßig früh auf ihren Zimmern.
Bei der Stadtführung denkt wohl jeder unweigerlich an die Reiseleiterin zurück, die uns mit dem Bus, zu Fuss und einem „Bitte kommen sie“ quer durch Budapest schleifte. Interesant war es trotzdem, ganz besonders, als wir auf uns allein gestellt in die City entlassen wurden. Sofort zeigte sich, das „PIZZA HUT“ in den nächsten Tagen die Heimat vieler von uns werden sollte.
Der absolute Höhepunkt dieses Tages war die kurze Fahrt auf der Donau, die uns einige nette Ausblicke beschert hat, aber auch viele? hinterließ, denn wir wissen bis heute nicht so genau, welchen tollen Effekt diese Schifffahrt hätte sonst noch haben sollen. Der Abend endete nicht so früh wie der Erste, die übrigen allerdings auch nicht, was die Mehrheit der Kursteilnehmer auf der Rückfahrt deutlich demonstrierte.
Was haben wir denn von Budapest noch so gesehen und gehört? Das Gespräch mit einer ungarischen Politikerin war für die Geschichtler und Politik - LK’ler durchaus interessant, besonders weil die Politikerin sehr gutes Deutsch sprach (welch Erleichterung beim Zuhören!) und uns auf eine jugendliche Art und Weise die ungarische Politik näherzubringen versuchte. Der Kunst - LK wurde währenddessen in ein Künstlerdorf „entführt“, welches mit geteilter Meinung angesehen wurde.
Was bei allen aber wohl mehr Anklang fand, war jedoch die übermäßige Freizeit, die uns zugestanden wurde. Das war mehr, als wir erwartet hatten.
Was natürlich auch nicht vergessen werden darf, war der Kampf um den Fussballplatz und das Fussballspiel Wolfenbüttel - Hannover. Doch bis wir endlich auf dem Platz konnten, bedurfte es endlosen Diskussionen mit budapester Fussballspielern und deren merkwürdigen Angeboten an uns Mädels. Aber nein, 25 cm beste ungarische Salami wollten wir dann doch nicht. Wie das Fusssballspiel nun ausgegangen ist, keine Ahnung, jedenfalls war’s lustig.
Das grausame Erwachen folgte doch schon am nächsten Morgen für uns wie auch die Hannoveraner, denn aus einigen Zimmern wurden nachts Geld und Papiere gestohlen, so dass manche den Tag auf dem Polizeirevier und der deutschen Botschaft absitzen durften. Somit war die Freizeit teilweise zunichte gemacht worden.
Dank der vielen Freizeit war es uns auch möglich, manche Sehenswürdigkeiten auf eigene Faust zu erkunden oder unendliche Shopping - Touren zu unternehmen. Dieses umfangreich Angebot trug dazu bei, dass mancher kaum Interessen an den Museen zeigte, die uns die Lehrer nahebringen wollten. Ihr Angebot: „Ihr müsst nur kurz mit reinkommen, dann könnt ihr gleich wieder gehen, Hauptsache, ihr wart mal kurz drin.“ war einfach zu verlockend. Nach endlosen Shopping - Auflügen, Schwimm - Nachmittage in den tollen Schwimmbädern Budapests und anstrengenden Märschen (z. B. durch das RIESIGE Parlament), fand am letzten Abend ein netter Abschluss auf der Donau - Insel statt. Doch, es war sehr lustig und feuchtfröhlich, und das nicht nur bei uns Schülern (da war’s ja eh jeden Abend so, was man am Morgen danach auch an den Ausdünstungen mancher riechen konnte; besonders als wir in der Synagoge waren...).
Die Rückfahrt war, wie bereits erwähnt, sehr schläfrig. Erst als wir in Hannover ankamen, wurden alle richtig wach und strebten in Richtung „BURGER KING“, um endlich mal wieder etwas Vernünftiges zu Essen zwischen die Zähne zu bekommen, sofern man das vernünftig nennen kann.
Alles in allem war die Kursfahrt super! Wir haben viel gesehen (Parlament, Synagoge, Museen, etc.), haben wenig geschlafen und superviel SPASS gehabt. Ach, und bevor ich es vergesse. Wenn jemals jemand von Euch Lesern nach Budapest fahren sollte, versucht nie, im Bus oder der Straßenbahn zu lästern. Die Leute dort verstehen besseres Deutsch als uns hätte lieb sein sollen. Sagt nicht, wir hätten Euch nicht bewarnt!